VKB-Generaldirektor Markus Auer im Interview: "Ohne Planbarkeit keine Investitionen!"
Unternehmen leiden unter anhaltender Planungsunsicherheit – ein Hemmschuh für den Aufschwung. Fleiß und Leistung seien zugleich entscheidende Wettbewerbsfaktoren, sagt Generaldirektor Markus Auer im Interview.
Die größte Herausforderung ist derzeit die fehlende Planbarkeit.
Markus AuerGeneraldirektor der VKBWas sind aus Ihrer Sicht momentan die größten Herausforderungen für mittelständische Unternehmen?
Markus Auer: Die größte Herausforderung ist derzeit die fehlende Planbarkeit. Ein aktuelles Beispiel ist die neu aufgeflammte Debatte über das Verbrennerverbot ab 2035, insbesondere in Deutschland. Für die bedeutende Automobilzuliefererbranche in Österreich ist es eine zentrale Frage, ob der Verbrennungsmotor tatsächlich verboten wird oder nicht. Die aktuelle Gesetzeslage verhindert Investitionen in diesem Bereich: Niemand kann in neue Werkzeuge, Maschinen, Produktionshallen, Erweiterungen oder Teile für Verbrennungsmotoren investieren. Alle warten ab – denn wenn das Verbot kommt, sind viele Anlagen obsolet, und für manche Betriebe würde das die Schließung bedeuten. Es ist illusorisch zu glauben, dass alle Unternehmen ihre Produktpalette einfach umstellen können. Die Tragweite dieses Problems scheint der Politik vielfach nicht bewusst zu sein. Ein schleichender Investitionsstopp führt zu einem langsamen Absterben der Betriebe.
Wie positioniert sich die VKB in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Transformation als langfristiger Partner für Unternehmen?
Markus Auer: In den vergangenen Jahren verzeichnete die VKB ein starkes Wachstum im Firmenkundengeschäft, in den vergangenen zwei Jahren insgesamt rund 15 Prozent. Dieses Wachstum verdanken wir unserem Geschäftsmodell, das uns auch in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation erfolgreich macht. Wir gewinnen neue Kunden in Wien, Salzburg und der Steiermark und begleiten viele Betriebe, die ihre Finanzierungen zukunftssicher strukturieren. Noch wichtiger ist aber: Wir schaffen damit die Basis, dass Unternehmen wieder investieren und neues Wachstum entsteht.
Der unternehmerische Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Warum spielt diese Zielgruppe für die VKB eine so bedeutende Rolle?
Markus Auer: Ein zentraler Punkt ist, dass eigentümergeführte mittelständische Unternehmen oft von einer Unternehmerpersönlichkeit geleitet werden, die meist mit Herzblut im Kerngeschäft arbeitet. Wenn dann zusätzliche Aufgaben wie Anlagen- oder Gebäudeinvestitionen, Unternehmenskäufe oder Ähnliches hinzukommen, können diese Unternehmer sich nicht einfach zurücklehnen und sich ausschließlich darauf konzentrieren – es kommt einfach obendrauf. Deshalb ist es entscheidend, dass die Kunden von Anfang an gut beraten werden, um Ineffizienzen und Zeitverluste zu vermeiden. In den vergangenen vier Jahren haben wir stark in unser Corporate-Finance-Team investiert, das Unternehmen bei Förderprogrammen wie unter anderem Investitionsförderungen, Haftungen des Bundes oder Exportförderungen berät und begleitet. So unterstützen wir Unternehmen gezielt in Wachstumsphasen. Ebenso wichtig ist eine strukturierte Finanzanalyse, bei der wir den Working-Capital-Kreislauf analysieren. Wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Auftragseingang, aber Sorgen wegen ausbleibender Zahlungen seiner Kunden hat, kann es vorübergehend ins Minus geraten. Die VKB steht hier als Sparringspartner zur Optimierung der Geldflüsse eng an der Seite ihrer Kunden.
Inwiefern unterscheidet sich die Beratungsqualität der VKB von anderen Instituten, insbesondere in Bezug auf die individuellen Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen?
Markus Auer: Das Bankgeschäft, wie wir es betreiben, ist nach wie vor stark von Persönlichkeit und zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt – ein echtes Beziehungsgeschäft. Gerade im Zeitalter fortschreitender KI und zunehmender Digitalisierung wird der persönliche Kontakt unersetzbar bleiben, denn Vertrauen und Verständnis zwischen Menschen lassen sich nicht automatisieren. Vertrauen zur Bank ist essenziell, denn für Unternehmen ist die Bank einer der wichtigsten Partner. Wenn die Bank als „Lieferant“ die Finanzierung einschränken oder zurückfahren muss, kann das Unternehmen oft auch seine Lieferanten für Holz, Strom oder andere Ressourcen nicht mehr bezahlen. Den Kunden ist bewusst, dass wir einer ihrer zentralen Partner sind. Wir stellen die erforderliche Liquidität zur Verfügung, die den gesamten Wirtschaftskreislauf am Laufen hält, und gestalten sowie strukturieren Finanzierungen so, dass sie den betrieblichen Alltag bestmöglich unterstützen. Dieses Engagement spiegelt sich im Vertrauen unserer Kunden wider. Sie wissen, dass die VKB sie verlässlich begleitet und an ihrer Seite steht – gerade dann, wenn es einmal schwierig wird.
Leistung bedeutet für mich, das eigene Potenzial zu erkennen und es mit Einsatz und Begeisterung einzubringen.
Markus AuerGeneraldirektor der VKBSie haben Ihre Karriere klassisch am Bankschalter begonnen und seither nahezu alle Funktionen in einer Bank durchlaufen – bis hin zum Generaldirektor. Wie haben Sie diese vielfältigen Erfahrungen geprägt?
Markus Auer: Meine langjährige Erfahrung in verschiedenen Funktionen – vom Schaltermitarbeiter über Kassierer, Assistent im Firmenkundenbereich, Privatkundenberater, Filialleiter, Firmenkundenberater und Geschäftsführer einer Leasinggesellschaft bis hin zum Vorstandsdirektor und nun zum Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektor – ist für mich von unschätzbarem Wert. Dadurch kenne ich alle Facetten des Kundenbankgeschäfts aus eigener Erfahrung. Diese Erfahrungen helfen mir, die Herausforderungen von Unternehmen zu verstehen. Ganz besonders verstehe ich aktuell die heimischen Unternehmen, die unter der Last der überbordenden Bürokratie leiden.
Leistung ist ein zentraler Wert der VKB. Mit welchem Gefühl verfolgen Sie die Debatte um die Teilzeitbeschäftigung, die in Österreich im internationalen Vergleich sehr hoch ist?
Markus Auer: In den vergangenen Jahrzehnten gab es in Österreich stetiges Wirtschaftswachstum, das den Sozialstaat und Wohlstand förderte. Dies ging einher mit dem Versprechen, dass es jeder Generation besser gehen wird. Doch inzwischen sehen wir, dass dieses Wachstum stagniert. Nach klassischer Volkswirtschaftslehre strebt der Mensch zunächst die Deckung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung und Wohnen an, danach folgen Wünsche wie Urlaub und schließlich Luxusbedürfnisse. In Österreich haben wir so einen Wohlstand erreicht, dass sich viele bewusst für weniger Arbeit entscheiden können, ohne dass ihr Lebensstandard spürbar leidet. Wenn sich jemand die Wohlstandsteilzeit privat leisten möchte und dies auch kann, ist das aus meiner Sicht in Ordnung – jeder Mensch ist frei in seinen Entscheidungen. Ganz besonders wichtig ist uns aber, dass Menschen mit Betreuungs- oder Obsorgepflichten in Teilzeit arbeiten können oder solche, die ein Studium absolvieren – das wird bei uns in der VKB ausdrücklich unterstützt und gefördert. Herausforderungen entstehen, wenn etwa Arbeitslosengeld bezogen wird, während nur geringfügig gearbeitet wird. Um die Tragfähigkeit des Sozialsystems zu sichern, ist es wichtig, dass Menschen möglichst umfassend am Arbeitsmarkt teilnehmen.
Wie definieren Sie Leistung im Kontext eines modernen Bankunternehmens?
Markus Auer: Jeder Mensch sollte entsprechend seinen Fähigkeiten einen Beitrag leisten – sei es im Beruf, in der Familie oder in der Gesellschaft. Leistung bedeutet für mich, das eigene Potenzial zu erkennen und es mit Einsatz und Begeisterung einzubringen. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, den Extremsportler Lukas Kaufmann kennenzulernen, der das „Race Across America“ als Zweiter beendet hat – eine außergewöhnliche Leistung, die Ausdauer, Disziplin und Zielstrebigkeit erfordert. Aber auch im Berufsleben zeigt sich Leistung dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, mitdenken und über das Erwartbare hinausgehen. Entscheidend ist: Jeder sollte sein Potenzial voll ausschöpfen, nach Höchstleistung streben und andere durch sein Vorbild inspirieren.
